Andrea van der Straeten
June 6 – July 28, 2018
Splace am Hauptplatz
Hauptplatz 6 / 4020 Linz

Sie flirtet gern mit dem Unkonventionellen, dem Subversiven und Experimentellen, sie verkauft unanständige Wörter, diskutiert die Vorrangstellung zwischen Kunstwerk und Künstler und macht damit ein breites Bezugsnetz auf, das von feministischen Autorinnen über die erstaunliche Vielfalt von Schimpfworten und Flüchen bis zur politischen Rede reicht. Sie ließ männliche Künstlerkollegen Gemüse schnitzen und dabei über Kinder und Karrieren diskutieren (Du meine Rettichblume, 1997), inszenierte aufwändig die Nicht-Entstehung eines fiktiven Filmes (Haus der Kälte 1998), oder verbreitete in Montagen von politischen Aussagen heimliche Nachrichten (Kassiber 02): Verhaltet euch ruhig und spart schneller, hieß es auf einem der offiziellen Plakaten des steirischen herbstes 2002, der das Thema Fremdkörper der ersten blau-schwarzen Regierung zugeworfen hatte. Ein aktuelles Update solcher Politiker-Phrasen in türkis-schwarz oder rot lädt zum Räsonieren ein: Werte, Generationen, Sicherheit, Stabilität waren es dort, Ordnungsprinzip und Sparmodelle sind es da. Politischer Populismus oder Immobilienspekulationen sind wiederkehrende Themen, es muss bei van der Straeten aber nicht immer (politisch) korrekt zugehen, es darf auch anstößig – Kill all artists – und natürlich humorvoll oder polemisch sein, chaotisch oder merk.würdig, aber vor allem muss es großzügig bleiben. Andrea van der Straeten sieht Sprache als Material, das sich formen und visualisieren lässt, das Doppelbedeutungen (noch – still), Bedeutungsdrehungen (lauter flüstern), gewandte und abgewandte Assoziationen oder überraschende Wortfolgen zulässt, und van der Straetens Aufstand gegen das aufgeräumte Denken unterstützen kann.

Ruth Horak
[Ruth Horak ist Kunsthistorikerin und Kuratorin für Fotografie und bildende Kunst]

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